«Der Homo sapiens war immer auch ein Homo migrans, ein wandernder Mensch», führte Susanne Keller-Giger an der Buchvorstellung aus. Und die Schweiz sei nicht nur das Auswanderungsland des 19.Jahrhunderts, als wirtschaftliche Not viele zum Weggehen veranlasste. Sie war und ist seit jeher auch ein Zuwanderungsland.
Das gilt mindestens so sehr für das Alpenrheintal, das als Transitland seit der Frühzeit ganz besonders vom Kontakt mit ‹Fremden› geprägt ist. Die Thematik Immigration und Integration von der Frühzeit bis heute wird in über 30 Beiträgen behandelt.
Niemand war schon immer da
Die Beiträge zum Schwerpunktthema sind nach einem einführenden Überblicksbeitrag zur Geschichte der Migration chronologisch gegliedert in die drei Gruppen ‹Frühzeit bis Frühmittelalter›, ‹Hochmittelalter, Spätmittelalter, frühe Neuzeit› und ‹Neuzeit Migrationsmotive Integration›.
«Niemand war schon immer da. Vielleicht hilft diese kleine Erkenntnis, gegenwärtige Entwicklungen gelassener zu nehmen und damit einen unaufgeregteren Umgang mit der Thematik Migration zu pflegen», betonte Keller-Giger bei der Präsentation des Schwerpunktthemas.
Auch Gallus wird hinterfragt
Aus Anlass des Gallusjubiläums 2012 berücksichtigt wird auch der heilige Gallus, der ebenfalls ein Migrant und im Werdenberg auch ein Flüchtling war. Ist Gallus als Landesvater und Träger kollektiver Identität glaubwürdig? Ist Gallus ein Konstrukt, das am Leben der heutigen Menschen, der St.Gallerinnen und St.Galler, vorbeizielt? Was kann Gallus dem Menschen des 21.Jahrhunderts überhaupt noch bedeuten? All diese Fragen stellt sich Peter Müller.
Auch die Herkunft von Gallus wird in jüngerer Zeit in Frage gestellt: War er nun ein Ire oder stammte er doch eher aus dem Elsass? Diesem kontrovers geführten Thema widmet sich Max Schär und untermauert seine Zweifel an einer jahrhundertealten Gewissheit mit der Analyse von Textstellen aus verschiedenen Heiligenviten zu Gallus.
In einem zweiten Beitrag versucht Schär anhand von Vitenerzählungen die Flucht von Gallus vor Herzog Gunzo nach Grabs zu rekonstruieren. Auf welchen Wegen ist Gallus nach Grabs gelangt?
Text: Reto Neurauter, Grabs
Artikel Sarganserländer zum Werdenberger Jahrbuch
Artikel Liechtensteiner Vaterland zum Werdenberger Jahrbuch