Geschichte Gallus
Der Rückzug von Gallus ins Tal der Steinach legte den Grundstein für die Hochkultur des Klosters wie auch der Stadt St.Gallen, deren Namensgeber er ist. Auch der Kanton trägt seit 1803 seinen Namen.
Wahrscheinlich im Jahr 612, also vor 1400 Jahren, hat Gallus den Steinachwald zum ersten Mal erkundet. Dieser Zeitrahmen ergibt sich durch seine Verbindung mit dem irischen Abt Kolumban. Den frühesten Lebensbeschreibungen aus dem 7. bis 9. Jahrhundert zufolge war Gallus ein Mönch aus dem irischen Kloster Bangor. Als einer von zwölf Gefährten des Missionars Kolumban kam er um 590 zunächst nach Luxeuil in den Vogesen (heute Luxeuil-les-bains).
Nach der Vertreibung der Mönche aus Luxeuil war Gallus unter der Führung von Kolumban mit einer Gruppe von Mönchen auf Umwegen in die Gegend zwischen Zürichsee und Bodensee gekommen, zuerst nach Tuggen am oberen Ende des damaligen Zürichsees, dann über Bregenz nach Arbon. In Tuggen und Bregenz unternahm Kolumban mit seinen Gefährten unter der dortigen Bevölkerung Missionsversuche. In Tuggen wurden sie aber vertrieben, und auch Bregenz mussten sie verlassen, da Kolumban nach der Niederlage Theudeberts II. von Austrasien gegen seinen Halbruder Theuderich II. von Burgund (der Kolumban schon aus Luxeuil vertrieben hatte) den politischen Rückhalt verloren hatte. Wie in Bregenz gab es auch in Arbor Felix (dem heutigen Arbon) eine christliche Siedlung. Die Galluslegende berichtet, Gallus habe wegen einer schweren Krankheit in Arbor Felix bleiben müssen. Tatsächlich war es wohl ein ernstes Zerwürfnis mit Kolumban, der seinen Schüler mit einem Mess- und Predigtverbot belegt hatte, das Gallus zu Lebzeiten von Kolumban auch nicht zu übertreten wagte.
Nach einem längeren Aufenthalt in Arbor Felix beschloss Gallus 612, zusammen mit seinem Gefährten Hiltibod dem in den Lacus Brigantinus (Bodensee) mündenden Fluss Steinach zu folgen. Sie zogen den Bach entlang in den Steinachwald hinein (das ganze Gebiet vom Bodensee bis zum Appenzellerland war damals Urwald) und kamen an den Wasserfall bei der Mühleggschlucht. Hier stolperte Gallus und fiel in einen Dornbusch. Dies deutete er als göttliches Zeichen, hier zu bleiben. Die irischen Mönche suchten - nach dem Vorbild der orientalischen Mönche - die Nähe zu Gott in der Einsamkeit. Sie glaubten sich Gott umso näher, je mehr sie sich von allem Irdischen lösten.
Die Legende von Gallus und dem BärenEine bekannte Legende über Gallus berichtet über die folgende Nacht: Während Hiltibod schlief, war Gallus noch wach, als plötzlich ein Bär auftauchte. Gallus liess sich nicht einschüchtern, auch dann nicht, als der Bär sich aufrichtete. Gallus befahl dem Bären im Namen des Herrn, ein Stück Holz ins Feuer zu werfen. Der Bär gehorchte und trug das Holz zum Feuer. Anschliessend gab Gallus dem Bären ein Brot, unter der Bedingung, dass er sich nie mehr blicken lasse. Hiltibod, der mitgehört hatte, sagte zu Gallus: «Jetzt weiss ich, dass der Herr mit dir ist, wenn selbst die Tiere des Waldes deinem Wort gehorchen.» Der Bär tauchte nie wieder auf. Der Bär wurde später zum Wappentier der Stadt St.Gallen.
Der Bär ist auch Gallus’ wichtigstes Insignium, er wird fast immer mit einen Bären an seiner Seite dargestellt.Gallus baute im Steinachtal eine Klause. Gallus war kein Einsiedler im eigentlichen Sinn. Er hatte Gefährten um sich. Männer, die mit ihm das Leben in der ‹Einöde› teilten. Als der Alemannenherzog Gunzo eine Synode aller Stammesfürsten und wichtigen Kleriker einberief, um den vakanten Stuhl des Bischofs von Konstanz wieder neu zu besetzen, wollte er Gallus zum Bischof machen. Vielleicht auch, weil Gallus seine Tochter von einer schweren Krankheit geheilt hatte. Gallus wollte nicht Bischof werden und kam bereits mit einem anderen Mönch, Johannes, zu dieser Tagung, um ihn als Bischof vorzuschlagen. Der Herzog ging auf diesen Wunsch ein, und nach dreijähriger Ausbildung durch Gallus soll Johannes Bischof von Konstanz geworden sein.
Am einem 16. Oktober wohl zwischen 640 und 650 starb Gallus nach seiner letzten Predigt in Arbon. Dieser Tag, der Gallustag, wird heute noch gefeiert. Gallus wurde bei seiner Klause bestattet. Sein Grab wurde zum Wallfahrtsort, und er wurde vor allem im süddeutschen Raum, dem Elsass und der deutschsprachigen Schweiz verehrt, seinem Hauptwirkungsraum.
In jüngster Zeit ist über die in den Lebensgeschichten verbürgte irische Herkunft von Gallus eine Kontroverse entstanden. Weil Gallus gut alemannisch sprach, vermutet Gerold Hilty eine Herkunft aus den Vogesen, eine Meinung, die auch von Max Schär geteilt wird. Walter Berschin und andere halten jedoch nach wie vor eine irische Herkunft für wahrscheinlich.
Ob Gallus aus Irland oder aus dem Elsass stammt, ist letztlich von untergeordneter Bedeutung. Entscheidend ist, dass er im Geist des irischen Mönchtums herangebildet wurde. Die Beziehung zu Irland war immer ein wichtiger Teil der Gallus-Erinnerung. Sie soll auch im Rahmen dieses Jubiläums gepflegt und vertieft werden.
Gallus, historisches Lexikon der Schweiz
Die 12 häufigsten Irrtümer über Gallus von Prof. Dr. Max Schär, Autor des Buches
‹
GALLUS. Der Heilige in seiner Zeit›.