Gallusjubiläum  - St. Gallen - Schweiz
 
 Gallusjubiläum  - St. Gallen - Schweiz
Die älteste Gallusvita
Verfasst um 670/80
Vita sancti Galli vetustissima


St.Gallen, Stiftsbibliothek, Handschrift Nr. 2106
Ungefähr eine Generation nach dem Tod des Gallus, um 670/80, dürfte der erste Bericht über sein Leben verfasst worden sein. Die älteste Gallusvita bezeichnet man als Vita sancti Galli vetustissima.

Wer der Verfasser des ältesten Teils war, als ‹das im literarischen Neuland gelegene St. Gallen› (Walter Berschin) noch kein Kloster war, wissen wir nicht, vielleicht ein wandernder Mönch des kolumbanischen Kreises? Der unbekannte Autor dürfte der erste lateinische Schriftsteller in der alemannischen Frühzeit gewesen sein, die Vita ist eines ‹der besten Literaturwerke der Merowingerzeit› (Berschin).

Das Fragment der Vita vetustissima setzt mit einem wichtigen Kapitel ein: Gallus, der wegen seines Ungehorsams von Kolumban exkommuniziert worden war, als dieser über die Alpen nach Italien zog und Gallus am Bodensee zurückblieb, sah Jahre nach seiner Exkommunikation in einer Vision, dass Kolumban gestorben sei (am 23. November 615). Er schickte den Diakon Magnoald zum Kloster Bobbio, um zu erkunden, ob die Vision wahr und er von der Exkommunikation befreit sei.

Wäre die Vita eine spätere Erfindung von St. Galler Mönchen gewesen, würden diese ihren Gründer kaum mit einer so harten Strafe wie der Exkommunikation behaftet haben. Das erhaltene Kapitel wird zu einem wichtigen Argument dafür, dass ein Kolumban-Schüler namens Gallus als Eremit im Steinachtal gelebt hat und hier gestorben ist.

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