Gallusjubiläum  - St. Gallen - Schweiz
 
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Die frühen Mönche und die Wildnis


Aus der Sicht von Christian Schmid, Autor des Buches
Gallusland – auf den Spuren des hl. Gallus
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Die Gemeinschaft war für Gallus von grosser Bedeutung, doch zog er sich auch regelmässig zurück in die Abgeschiedenheit inmitten wilder Natur, ungestört vom Mönchsalltag.

Wir wissen von Kolumban und anderen Heiligen der keltischen Kirche, dass sie vor Heiligenfesten bis zu 40 Tagen in ihren Einsiedeleien oder Höhlen lebten und als Nahrung nur Wildfrüchte und Wasser zu sich nahmen. Die Gebete des Einsiedlers wurden vom Gezwitscher der Vögel und dem Summen der Insekten begleitet: er war nicht einsam, sondern eins mit der Natur.

Mit ihrer Vorliebe für Wälder und die ‹Wildnis› stehen die frühen irischen Mönche in derselben Tradition wie die Druiden: auch diese verbargen sich in den Tiefen der Wälder und beteten dort ihre Götter an, ohne dafür Tempel zu benutzen. Ihr Tempel war das ‹nemeton› (keltisch: der Mittelpunkt), ein Ort, an dem die Welt der Götter sich dem Menschen öffnet. So ein Ort konnte Verschiedenes sein: ein heiliger Hain, eine uralte Eiche, ein Teich/eine Quelle und ihre Umgebung, ein markanter Felsen, eine abgelegene Insel im Meer.

An unzähligen Plätzen, wo sich damals ein solches nemeton befand, erheben sich heute christliche Kirchen und Kapellen. Jeder dieser Kraftorte ist einzigartig: jeder ein ‹Mittelpunkt der Welt›, der es dem Menschen erlaubt, mit Gott in Verbindung zu treten. Und es ist der Mensch, der diesen Mittelpunkt schafft, er erspürt diesen Ort!

Hier kam mir das Bild von Gallus vor Augen, der mitten im Arboner Forst, beim Strudel der Steinach, an einem Dornstrauch hängenblieb und stolperte. Dies war der Fingerzeig Gottes, hier sollte und wollte er bleiben. Gallus weihte diesen Ort auf traditionelle keltische Art: Er fastete während drei Tagen und oblag seinen Übungen; ein Hinweis auf seine irische Herkunft, wie ich meine. Denn die Mönche der frühen irischen Kirche fasteten für eine solche Weihe drei Tage lang, legten sich auf den Boden und streckten ihre Arme in Form eines Kreuzes aus (Kreuz-Vigil).

Und an diesem heiligen Ort beim Strudel der Steinach baute Gallus im Jahre 612 seine Zelle.


Mehr zu diesem Thema und viel mehr zu Gallus im Buch von Christian Schmid: Gallusland - auf den Spuren des hl. Gallus

Die Steinach bei Mörschwil
Foto aus dem Buch ‹Wanderfluss›
Fotograf: Peter Ruggle, St.Gallen
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